Erinnerungsorte der Reformation –
Lernwelten für die Gegenwart

Die Vermittlung von Erinnerungsorten in Weimar konzentriert sich derzeit vielfach auf die Stätten der Weimarer Klassik und der Moderne. Weniger im Fokus stehen bisher die Erinnerungsstätten der Reformation. Um dies zu ändern, bestehen derzeit günstige Rahmenbedingungen: zum einen durch die Lutherdekade und das damit gestiegene Bewusstsein für die kulturgeschichtliche Bedeutung der Reformation und ihrer Folgen, zum anderen – auf Weimar bezogen – durch die umfassende Sanierung des Herderplatzes.

Dessen Ensemble von Pfarrhaus mit Pfarrgarten, Kirche, Kirchhof und Schule bildete bis Ende des 19. Jahrhunderts in protestantisch geprägten Ortstopographien eine Einheit, in der sich grundlegende Ideen von Kirche und Gesellschaft widerspiegeln und die nun wieder nachvollziehbar und architektonisch erlebbar wird.

Das Projekt soll dazu beitragen, an das Wirken Martin Luthers in Weimar an authentischen Orten zu erinnern und es durch Bildungs- und Kulturveranstaltungen zu vermitteln. Eine weiteres Ziel des Projektes besteht darin, den Einfluss Luthers auf die Weimarer Klassik und seine Rezeption in dieser Epoche zu untersuchen. Dies macht vor allem das Werk und die Wirkung Johann Gottfried Herders möglich, für den Luther als Sprachschöpfer, Theologe, Nationalheld und Genie galt. Herder kannte Luther nicht nur, wie ein Gebildeter historische Figuren kennt; Herder wurde nicht nur von Luther angeregt: Herder sah sich in der Nachfolge Luthers und als Erbe seines Gedankengutes.

Ziel des Projektes ist es, den beschriebenen kulturgeschichtlichen Raum im Rahmen von Bildungsprozessen erfahrbar zu machen, sie mit gegenwärtigen Fragestellungen in Verbindung zu bringen und damit Lernwelten für die Gegenwart zu schaffen.